Wissenschaftsrat befürwortet Forschungsbau „Centrum für Fundamentale Physik“

61 Millionen Euro Investitionsvolumen – Exzellenz der Forschungsleistungen in der Teilchen- und Hadronenphysik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erneut bestätigt

24.04.2015

Der Wissenschaftsrat hat sich dafür ausgesprochen, einen neuen Forschungsbau für die Teilchen-, Astroteilchen- und Hadronenphysik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in die Förderung von Bund und Ländern aufzunehmen. Im  Programm „Förderung von Hochschulbauten an Hochschulen“ werden ausschließlich Baumaßnahmen für wissenschaftliche Vorhaben mit überregionaler Bedeutung gefördert, die sich durch ein innovatives und interdisziplinäres Forschungskonzept auszeichnen. Mit der Umsetzung der Baumaßnahme würde im Jahr 2016 begonnen werden. Das Investitionsvolumen von mehr als 61 Millionen Euro würden der Bund und das Land Rheinland-Pfalz jeweils zur Hälfte übernehmen. Diese Summe enthält die Kosten zur Beschaffung mehrerer Spektrometer und Detektorsysteme als Forschungsgroßgeräte, die für die erfolgreiche Umsetzung der Forschungsziele des Centrums für Fundamentale Physik (CFP) notwendig sind. Die endgültige Entscheidung über die Empfehlung des Wissenschaftsrats fällt die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) am 19. Juni 2015.

„Die heutige Empfehlung des Wissenschaftsrats unterstreicht einmal mehr das große Renommee des Wissenschaftsstandorts Mainz und die Qualität der Forschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, gerade im wichtigen Profilbereich der Physik. Die Empfehlung bestätigt damit auch, dass das Land mit seiner Forschungsinitiative, mit der herausragende Forschungsbereiche gezielt gestärkt werden, offenbar richtige Impulse setzen konnte. Der in der Exzellenzinitiative erfolgreiche Exzellenzcluster Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter (PRISMA) geht auf diese Landesförderung zurück“, sagte Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Thomas Deufel. Zwischen 2008 und 2016 stellte das Land den Hochschulen – zusätzlich zur Grundfinanzierung – über die Forschungsinitiative rund 160 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir wollen die Forschung im Land langfristig stärken“, betonte Deufel weiter. Dies zeige auch der Antrag für den CFP-Forschungsbau beim Wissenschaftsrat und die damit verbundene Zusage von mehr als 30 Millionen Euro aus der Landeskasse.  

„Der Forschungsbau und die neuen Großgeräte sollen die Voraussetzungen schaffen, um noch weiter ins Innerste der Materie vorzudringen und vielleicht den Weg zu einem neuen physikalischen Modell aufzuzeigen. Die Empfehlung des Wissenschaftsrats stärkt die Reputation der beteiligten Forscherinnen und Forscher sichtbar und bestätigt die erfolgreiche Strategie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die forschungsstärksten Bereiche systematisch und konsequent auszubauen“, erklärt Universitätspräsident Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch.   

Die Forschungsprogrammatik des geplanten Centrums für Fundamentale Physik stellt eine erhebliche Erweiterung und Fortführung des Forschungsprogramms am Exzellenzcluster PRISMA  der Johannes Gutenberg-Universität Mainz dar. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit den drängendsten Problemen in der Elementarteilchenphysik, die Aufschluss über die Struktur der Materie und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Universums geben sollen. Hierzu zählen insbesondere die Erforschung der dunklen Materie, die den weit überwiegenden Teil der gesamten Materie des Universums ausmacht, sowie die Suche nach „neuer Physik“, die im Rahmen der etablierten Theorie des sogenannten Standardmodells der Elementarteilchenphysik nicht erklärt werden kann. Ein für die Erforschung dieser Thematik zentraler Bereich ist die Neutrino- und Astroteilchenphysik. Die wesentliche experimentelle Schwierigkeit besteht darin, die Effekte von sehr schwach wechselwirkenden Teilchen nachzuweisen. „Die Erforschung des schwach wechselwirkenden Universums ist die vielleicht spannendste Herausforderung an die Grundlagenphysik in diesem Jahrhundert und bildet das wissenschaftliche Leitmotiv des CFP“, so Univ.-Prof. Dr. Matthias Neubert und Univ.-Prof. Dr. Hartmut Wittig, die beiden Sprecher des Exzellenzclusters PRISMA. 

Der Forschungsbau soll die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen, um die Forschungsprogrammatik des CFP umzusetzen und ist mit zwei Gebäudekomplexen geplant: einem Gebäude mit Labor- und Büroflächen und einer unterirdischen Experimentierhalle. In den oberirdischen Teil sollen sechs neu eingerichtete Arbeitsgruppen aus den Forschungsschwerpunkten Neutrinophysik, Astroteilchenphysik, dunkle Materie, Präzisionsphysik bei niedrigen Energien und Beschleunigerphysik integriert werden. Daneben sind im oberirdischen Teil Speziallabore für die Detektorentwicklung, inklusive eines Reinraums, sowie eine Montagehalle für den Zusammenbau großer Detektoreinheiten geplant. Hinzu kommt ein Konferenzraum sowie Büroflächen für Gastwissenschaftler und die Verwaltung. Die unterirdische Experimentierhalle ermöglicht ein umfassendes und langfristiges Experimentierprogramm am neuen Beschleuniger MESA, der derzeit am Institut für Kernphysik aufgebaut wird. „Die Halle deckt den Bedarf an zusätzlicher Experimentierfläche, da das Forschungsprogramm an MESA seit seiner ursprünglichen Konzeption erheblich erweitert worden ist“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Hartmut Wittig.

Die Grundlagenphysik bildet einen Eckpfeiler der Zukunftsstrategie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Das neue Zentrum soll die wissenschaftliche Profilbildung in diesem Bereich weiter stärken. Die vom CFP verfolgte Erforschung der Grenzen des Standardmodells von den niedrigsten zu den höchsten Energien in einem in Theorie und Experiment aufeinander abgestimmten Programm, die Breite des Methodenspektrums und die Nutzung hochspezialisierter lokaler Forschungseinrichtungen sind Alleinstellungsmerkmale. "Mit dem Bau des CFP soll an der JGU ein Zentrum von internationaler Bedeutung entstehen, das die physikalische Grundlagenforschung in den kommenden 20 Jahren maßgeblich mitgestaltet", betont Univ.-Prof. Dr. Matthias Neubert.